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Offene Briefe und ein Fragenkatalog an die Kandidaten zur Wahl des neuen Landrates der Uckermark am 22.04.2018

Am 22.04.2018 sind die Einwohner des Landkreises Uckermark aufgerufen, den neuen Landrat oder die neue Landrätin zu wählen. Als Kandidaten bewerben sich die derzeitige Bürgermeisterin von Strasburg Karina Dörk (CDU), der derzeitige Landrat Dietmar Schulze (SPD) und Torsten Gärtner (Listenvereinigung BVB/Freie Wähler), Angestellter der Sparkasse Schwedt und langjähriger Sprecher des Kreiselternrates und Kreisschulbeirates.

Diese drei Kandidaten stellten sich am 13.04.2018 den interessierten Bürgern in Lychen zur Diskussion. Mit dabei auch Tom Schweers und Ernst Wagner-Rott von unserer BI, die den Kandidaten einen Fragenkatalog und drei, persönlich adressierte, offene Briefe übergaben.

Im Folgenden drucken wir sie hier ab:

Übergabe der offenen Briefe an die Kandidaten der Landratswahl Uckermark 2018

Übergabe der offenen Briefe an die Kandidaten der Landratswahl Uckermark 2018 durch Ernst Wagner-Rott.

Fragen an die Kandidaten der Landratswahl am 22. April 2018 des Landkreises Uckermark

Als Bürger und Anwohner des Boitzenburger Landes haben wir folgende Fragen an die Kandidaten:
Wie stehen die Kandidaten zu folgenden Punkten:

  • Uckermarkweiter Glyphosat- und Pestizidstopp auf öffentlichen, kirchlichen und verpachteten und zu verpachtenden Flächen
  • Weiterer Bau und Ausbau von Massentierställen / Legehennenanlagen?
  • Anlegen von insekten- und bienenfreundlichen Blühflächen sowie selteneres Mähen auf öffentlichen Flächen nach Lychener Vorschlag (Fraktion Schön hier)

Die Bürgerinitiative Eselshütt vertreten durch Tom Schweers bittet um schriftliche Beantwortung der Fragen bis vor dem Wahltermin. Die Beantwortung der Fragen kann postalisch zugestellt werden an Tom Schweers, Lindenstraße 18, 17268 Boitzenburger Land oder per Mail an info@bi-eselshuett.de.

Offene Briefe zur Landratswahl, Metzelthin 12.04.2018

Sehr geehrte Frau Dörk,

ich wende mich an Sie als Landratskandidatin in dieser Form des Offenen Briefes, weil ich meine, daß Öffentlichkeit und Diskussion nötig sind.

Vor einigen Jahren überreichten Sie meiner Frau Ute Rott und mir in Ihrer Funktion als stv. Landrätin im Forsthaus Metzelthin die Fledermausplakette des Landes Brandenburg aufgrund unseres Engagements für Hunderte von Zwergfledermäusen, die in unserem Anwesen ihr Sommerquartier haben. Sie machten auf mich damals einen sympathischen und kompetenten Eindruck.

Nun steht die Landratswahl ins Haus – und Sie kandidieren für die CDU. Dabei sprechen Sie in Ihrem Wahlprospekt durchaus eine Reihe von Problemen an, die ich ähnlich sehe, z.B. Fragen des ÖPNV oder der Bildungspolitik. Leider ist es nun so, daß die Partei, für die Sie kandidieren, die Probleme selbst herbeigeführt hat, durch Privatisierungswahn und jahrzehntelanges Kaputtsparen von Schulen
und Universitäten zugunsten von Hochrüstung und „Bankenrettung“, durch ständiges Umschichten kostenintensiver Aufgaben auf Kreise und Kommunen. Wenn Sie in diesen Punkten Ihr Programm umsetzen wollen, dann müssen Sie dies gegen Ihre eigene Partei tun – und natürlich auch gegen die SPD, die stets in trauter Einigkeit mit der CDU die Gemeinheiten gegen die Bevölkerung mitträgt.

Aber nun zu einem Themenkreis, der mir besonders am Herzen liegt und der leider bei keinem der drei Kandidaten eine Rolle spielt – Grüne und Linke haben sich zu dieser Wahl ja ohnehin abgemeldet. Wenn Sie sich erinnern möchten: Meine Frau und ich betreiben im Forsthaus Metzelthin einen kleinen touristischen Betrieb „Ferien mit dem Hund“, mit Ferienwohnungen und eine Hundeschule. Vielleicht können Sie sich als ehemalige Unternehmerin vorstellen, daß das nicht immer so einfach ist. „Heimat.Zukunft.Uckermark“ steht auf Ihrem Prospekt, doch wie sieht diese Heimat und Zukunft aus? Die Landschaft der Uckermark verwandelt sich immer mehr in glyphosatverseuchte Agrarwüsten und eine Massentierhaltungsanlage nach der anderen wird in die idyllische Gegend gestellt.

Sanfter Tourismus hat Zukunft – ganz sicher. Aber sanfter Tourismus geht nicht zusammen mit Maismonokulturen, Insekten- und Vogelsterben, massenhafter Tierquälerei und Raubbau in vielen märkischen Wäldern.

Wenn Sie mir versprechen können, daß Sie sich als Landrätin für eine ökölogische Wende in der heimischen Landwirtschaft engagieren – dann vergesse ich vielleicht, daß ich weder eine Großbank, noch einen Rüstungsbetrieb besitze und wähle Frau Karina Dörk – trotz Ihrer Partei.

Über eine Antwort von Ihnen würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen
Ernst Wagner-Rott

Sehr geehrter Herr Gärtner,

Ich wende mich an Sie als Landratskandidat in dieser Form des Offenen Briefes, weil ich meine, daß Öffentlichkeit und Diskussion nötig sind.

Ich komme aus Oberbayern, lebe seit dreizehn Jahren in der Uckermark und fühle mich hier sehr wohl. Meine Frau Ute Rott und ich betreiben im Forsthaus Metzelthin einen kleinen touristischen Betrieb „Ferien mit dem Hund“, mit Vermietung von Ferienwohnungen und eine Hundeschule. Wir machen unsere Arbeit gerne (auch wenn es nicht immer einfach ist) – und es gibt uns nach dreizehn
Jahren immer noch.

Im „Märkischen Sonntag“ war zu lesen, daß Sie als Landrat Ihr Hauptaugenmerk auf die wirtschaftliche Entwicklung der Region legen würden. Das sagt nun leider nicht viel aus, und ich finde in Ihren Einlassungen genauso wenig Konkretes wie bei den anderen Kandidaten. Mir liegt vor allem am Herzen, daß man das zarte Pflänzchen des sanften Tourismus pflegen sollte. Dem steht leider so
einiges im Wege. Immer wieder sprechen uns Stammgäste an (manche von ihnen machen bei uns seit über zehn Jahren Ferien), daß sich vieles in der Region zum Schlechteren wandle. So wird z.B. beklagt, daß die Landschaft immer mehr von Maiswüsten bestimmt wird, daß sich Wälder und Waldwege oft in katastrophalem Zustand befinden und daß jedes Jahr mehr Windräder in der Gegend
rumstehen. Den Urlaubern bleibt auch nicht die wachsende Anzahl der Massentierhaltungsanlagen verborgen.

Nun engagieren Sie sich erfreulicherweise gegen den weiteren Bau von Windrädern, aber leider tauchen bei Ihnen, ebenso wenig wie bei den anderen Kandidaten, die Probleme auf, die uns die agroindustrielle Landwirtschaft beschert: Massenhaftes Insekten- und Vogelsterben, sowie Belastung der Gewässer durch maßlosen Pestizideinsatz. Immer mehr Massentierhaltungsanlagen sprechen
jedem Tierschutzgedanken Hohn, befördern durch übermäßigen Kotanfall Überdüngung der Felder und Gewässer und gefährden z.B. durch die Freisetzung von Bioaerosolen die Gesundheit der Menschen.

Sehr geehrter Herr Gärtner, Sie gehören im Unterschied zu den anderen Kandidaten keiner der Parteien an, die für diese Zustände verantwortlich sind. Wenn Sie sich auch in diesen Fragen engagieren würden, könnte für mich die Wahl Ihrer Person eine Alternative sein.

Einer Antwort von Ihnen sehe ich mit Interesse entgegen.

Mit freundlichen Grüßen

Ernst Wagner-Rott

Sehr geehrter Herr Landrat,

ich wende mich an Sie, der Sie ja wieder zur Landratswahl kandidieren, in dieser Form des Offenen Briefes, weil ich meine, daß Öffentlichkeit und Diskussion nötig sind.

Ich komme aus Oberbayern, lebe seit dreizehn Jahren in der Uckermark und fühle mich hier sehr wohl. Meine Frau Ute Rott und ich betreiben im Forsthaus Metzelthin einen kleinen touristischen Betrieb „Ferien mit dem Hund“, mit Vermietung von Ferienwohnungen und eine Hundeschule. Wir machen unsere Arbeit gerne (auch wenn es nicht immer einfach ist) – und es gibt uns nach dreizehn
Jahren immer noch.

Sanfter, oder wie man heute sagt, nachhaltiger Tourismus ist das Zauberwort. Im „Templiner Kurstadtjournal“ konnte man in der Anzeige Ihrer Partei lesen, daß Sie die Schutzgebiete in unserem Landkreis „als große Chance für die Region, um nachhaltigen Tourismus, nachhaltige Landwirtschaft und nachhaltige Wirtschaft zu etablieren“ sehen.

Das sehe ich auch so. Doch wie sieht die Wirklichkeit aus? Wenn ich von Metzelthin nach Prenzlau fahre, dann sehe ich von der angeblich nachhaltigen Landwirtschaft nur eines: Agrarwüsten aus Mais und wenn es hoch kommt auch mal Raps, das ganze glyphosatverseucht: Insekten und Vögel, Adieu!

„Naturpark Uckermärkische Seen“ – wir sind hier mitten drin: Eine „nachhaltige“ Massentierhaltungsanlage nach der anderen wird in die idyllische Landschaft gesetzt, „nachhaltiger“ Raubbau in den Wäldern mancher privater Waldbesitzer, „nachhaltige“ Verspargelung der Landschaft durch Riesenwindräder – leb wohl, Fischadler, Seeadler und Milan, leb wohl, kleine Federmaus!

Wen wundert es, sagen Sie doch selbst von sich: „Ich bin gegen überbordenden Umweltschutz.“ Was ist für Sie „überbordender Umweltschutz“? Die Verhinderung der Mega-Schweineanlage in Haßleben, der Kampf gegen die geplante Eierfabrik in Eselshütt? Sich darum kümmern, daß wenigstens noch ein paar Sölle inmitten der Maiswüsten erhalten bleiben?

Ich glaube nicht, daß es „ überbordenden Umweltschutz“ in diesen Zeiten gibt, aber ich weiß sehr wohl, daß es überbordende Umweltzerstörung bei uns gibt, gepaart mit überbordender Verantwortungslosigkeit in Bund, Land und Kreis.

Nachdem sich in der Region immer mehr Gemeinden für „glyphosatfrei“ erklären, wäre mein Vorschlag für etwas wirklich „Nachhaltiges“: Ein pestizidfreier Landkreis Uckermark! Das wäre doch eine schöne Kampfaufgabe für Sie gegen Bauernverband und Großagrarier.

Über eine Antwort von Ihnen würde ich mich sehr freuen und würde – vielleicht – vergessen, daß man der SPD sowieso nichts glauben darf.

Mit freundlichen Grüßen

Ernst Wagner-Rott