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Leserbriefe zur Gemeindevertretersitzung am 27.11.2029 bezüglich der Widmung des Herzfelder Weges aufgrund der geplanten Legehennenanlage nahe Boitzenburg

Auf der Gemeindevertretersitzung der Gemeinde Boitzenburger Land am 27.11.2019 im Gasthof Drei Eichen Warthe wurde die Widmung des Herzfelder Weges in Boitzenburg durch 10 von 13 anwesenden Gemeindevertretern beschlossen. Zuvor waren Wochen mit vielen Diskussionen und Protesten seitens der Bevölkerung vergangen. Entsprechend groß war die Enttäuschung bei vielen Anwesenden, dass die meisten Gemeindevertreter so desinteressiert und kritiklos der geplanten Legehennanlage gegenüberstehen. Deutliche Entrüstung war im Publikum zu spüren, dass von den GV eine Diskussion zum Thema nicht mehr gewünscht war und mit merkwürdigen Argumenten abgewürgt wurde.

Lesen Sie hier dazu die Leserbriefe von BI-Mitgliedern an den Nordkurier, die dankenswerterweise alle gedruckt wurden.
Auf der Seite Faktencheck können Sie unsere Argumente gegen die Widmung und diese Legehennanlage finden.

Frank Kolja Preuß, Warthe

Sehr geehrte Damen und Herren,

unabhängig davon, ob die Widmung des Herzfelder Weges zum jetzigen Zeitpunkt notwendig war oder nicht, haben sich am Mittwoch auf der Gemeindevertreterversammlung der Gemeinde Boitzenburger Land der Bürgermeister Frank Zimmermann und 10 Gemeindevertreter (von 16, drei waren nicht anwesend) für die Schaffung einer der Voraussetzungen zur Genehmigung der geplanten Legehennenanlage im Landschaftsschutzgebiet (LSG) „Norduckermärkische Seenlandschaft“ ausgesprochen.

Die Behörden in Prenzlau hatten zuvor die Genehmigung zur Errichtung der Anlage u.a. vor allem deswegen verweigert, weil sie den Schutzzwecken des LSG entgegensteht. Der Antragsteller hatte daraufhin Widerspruch eingelegt.
Die Zustimmung dieser 11 Personen zeigt, dass es ihnen scheinbar egal ist oder sie sogar dafür sind, eine industrielle Tierhaltungsanlage mit 12.000 Legehennenplätzen im LSG zu errichten und sich damit gegen den Willen der Genehmigungsbehörde in Prenzlau und vieler Bürger zu stellen.

Weiterhin kam bei den Diskussionen in den vergangenen Wochen und auf der entscheidenden Sitzung am Mittwoch zum Ausdruck, dass den Befürwortern der Widmung und der Genehmigung der Anlage die massiven Bedenken der direkten Anwohner und vieler anderer Einwohner von Boitzenburg und der Gemeinde Boitzenburger Land offenbar egal sind. Vielmehr sprachen sie von „Kampagne“, „irgendwelchen Fragen“, „Druck“ u.ä. seitens der Gegner.

Auch das Argument der Gemeindevertreterin Antje Köppen, die Widmung solle jetzt erfolgen, damit diese Entscheidung später nicht zur alleinigen Voraussetzung der Genehmigung der Anlage werden soll, falls die Behörde in Prenzlau doch der Anlage zustimmen sollte, zeugt meiner Meinung nach von mangelndem Willen, sich mit den Problemen intensiver und industrialisierter Landwirtschaft auseinanderzusetzen.
Denn ob Bio oder nicht, stationäre Legehennenanlagen verursachen in dieser Größenordnung eine massive Gefährdung von Boden und Grundwasser durch mehr Stickstoffeintrag als in der Nitratrichtlinie bzw. in der EU-Ökoverordnung zugelassen. Dies wurde in einer Studie der Universität Kassel vom Februar 2017 nachgewiesen. Und ein Rechtsgutachten vom Dezember 2018 dazu hat festgestellt, dass stationäre Legehennenanlagen in dieser Größenordnung gegen geltendes Gesetz verstoßen.

Weiterhin gibt es faktische (Kükenschreddern) und mögliche Gefährdungen (Federpicken, Kloakenentzündungen) des Tierwohls, egal ob Bio-Haltung oder nicht.

Zusätzlich besteht bei diesen (Bio-)Anlagen der Widerspruch, dass sie als Freilandhaltung deklariert sind, die Hennen aber nur einen, teilweise wesentlich, kleineren Teil ihres kurzen Lebens im Freiland verbringen.

Nur drei der Gemeindevertreter haben bewiesen, dass ihnen diese Zusammenhänge bewusst sind und gegen die Widmung des Herzfelder Weges gestimmt, der übrigens unter das Brandenburger Gesetz zum Schutz von Alleen fällt.

Herzliche Grüße aus Warthe

Kyra Maralt, Warthe

Wie kann der Widmung des Herzfelder Weges an einen Massentierhalter in spe zugestimmt werden? So wurde der riesen Anlage schon mal Tür und Tor geöffnet. Kann es sein, daß der Großteil der Boitzenburger Gemeindevertreter aus Angst „daß Zünglein an der Waage“ zu sein, ihre Verantwortung missachten?

Betroffene Boitzenburger sind zahlreich bei den letzten Informationsveranstaltungen erschienen. Alles Wissenswerte, was sie zusammengetragen und übermittelt haben, um vor der geplanten Anlage zu warnen, wurde augenscheinlich als lästig, als belastende Überfrachtung empfunden. Wie fühlt sich das an, sich hinter anderen Behörden zu verstecken, die maßgeblichere Prüfungen vornehmen sollen? Ist es nicht ein berechtigter Standpunkt zugunsten des Gemeinwohls jemandes Gewinnstreben zu unterbinden?
Bleibt bei Gegenrechnung des Investitionsvolumens überhaupt ein Cent Steuergeld zurück, um später die Schäden einer Massentierhaltung mit Unsummen zu beheben?

Sich darüber im Klaren zu sein, was für ein Kapital intakte Böden und reines Wasser darstellen, ist das Gebot der Stunde. Jeder will die Landwirte unterstützen, wenn sie hier als dritte Wirtschaftskraft im Lande aktiv sind.
Und das heißt unbedingt, über die Grenzen des schnellen Profits hinaus zu denken, der lediglich dem Investor zugute kommt. Die Anlage am Ende des Herzfelder Weges ist ja nicht die Einzige hier ringsum in der Uckermark.
Noch eine und noch eine wird beantragt. Dabei sind hier bereits 60 Betriebe mit rund 1,2 Mio. Tieren.

Grausame Realität ist, daß bestehende Massentierhaltungsanlagen schon jetzt auf Deutschland verteilt werden müssten, da Regionen wie z.B. Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen erwiesenermaßen bereits an Kot, Nitrat im Boden, Antibiotika im Trinkwasser, multirestistenten Keimen, Parasiten und ausgelaugten Tieren ersticken. Neue Massentierhaltungsanlagen braucht das Land mit Sicherheit nicht.

Letztlich geht es darum, die Arbeitskraft-Frage in der Landwirtschaft zu lösen. Es gilt, die praktische Intelligenz zu befürworten. Es gilt, den Menschen, die gerne den ganzen Tag draußen sind, den Teppich auszurollen, interessante und vor allem sinnvolle Berufe zu ergreifen. Ein Beispiel ist die ökologischen Geflügelhaltung mit mobilen Ställen. So gilt es, die zu fördern, die sich schon entschieden haben, einen umwelterhaltenden Weg als Jungbauer – sogar auf eigenes Risiko hin – zu gehen.

Ute Rott, Metzelthin

Am 27.11. wurde auf der Gemeindevertretersitzung die Widmung des Herzfelder Weges beschlossen.
Was auf dieser Sitzung ablief, spottet jeder Beschreibung. Dass man unterschiedlicher Meinung über diese Widmung sein kann, dass man bewußt die Widmung durchwinkt, um die der Familie von Arnim den Bau ihrer Legehennenanlage zu erleichtern, ist schlimm genug. Dass sich aber die GemeindevertreterInnen nicht entblöden, ihr – freundlich ausgedrückt – mangelndes Verständnis für Demokratie öffentlich zu äußern, das erschüttert mich schon gewaltig.

Da war nicht nur die Rede davon, dass ein „Komplott geschmiedet wurde“, auch Vigilantentum wurde den BürgeInnen unterstellt, die gegen die Widmung und gegen die Anlage sind. Man will nicht „Zünglein an der Waage sein, sondern den Fachbehörden die Entscheidung überlassen“ – ach so, aber wenn man den Weg frei macht für die Genehmigung, dann ist man kein „Zünglein an der Waage“? Der Gipfel war aber die Äußerung, welche Frechheit es sei, die GemeindevertreterInnen mit Informationen zu versehen und ihnen Material per Mail über Legehennenanlagen und über die Halbwahrheiten, die Herr von Arnim verbreitet, zukommen zu lassen. Wörtlich kam: „ich will das alles gar nicht wissen“!
Da hat jemand wahrlich begriffen, worum es in einer demokratischen Gesellschaft als GemeindevertreterIn geht: vermutlich darum, alles abzunicken, was nur hübsch genug dargestellt wird. Wen interessieren schon sachliche Argumente oder das Enttarnen eindeutig falscher Aussagen, wen jucken denn die Interessen der Bürger? Und wen interessiert, dass sich eine große Gemeinschaft gefunden hat, die „Freunde des Herzfelder Weges“, die sowohl die Kosten als auch die Arbeit am Weg übernehmen würden? In der Gemeindevertreter-Versammlung Boitzenburger Land waren es nur drei GemeindevertreterInnen, die mitbekommen haben, was die BoitzenburgerInnen in ihrer Mehrheit wollen: sie wollen den Weg so behalten, wie er ist, und die Verhinderung der Legehennenanlage.

Jetzt müssen wir uns auf die Kreisbehörde verlassen, die dieser Anlage bereits aus Gründen des Umweltschutzes die Genehmigung verweigert hat. Wir hoffen mal, dass die Zuständigen ein anderes Verständnis für demokratische Prozesse haben und für sachliche Informationen von Seiten der BürgerInnen zugänglich sind. Es gibt noch jede Menge Gründe, dass das auch so bleibt. Und dann hat die Gemeinde die Kosten für den Weg am Hals – denn dann wird die gräfliche Familie vermutlich auch kein Interesse mehr an diesem Weg haben.

Sybilla Keitel, Stabeshöhe bei Jakobshagen/Uckermark

Die Befürwortung der geplanten Legehennenanlage durch die Mehrheit der Boitzenburger Gemeindevertreter ist unverantwortlich. Eine Haltung Zigtausender Tiere zwecks industrieller Produktion bedeutet die weitere Gefährdung der umgebenden Natur, konkret unseres Wassers, unserer Luft und der Böden. Zusätzliche Belastungen des Ökosystems, welches ohnehin auf der Kippe steht, sind heutzutage nicht mehr vertretbar. Wer jetzt noch versucht, die Auswirkungen schönzureden, wer um zumutbare Grenzwerte für Tierwohl, Nitrat- oder Keimbelastungen feilscht, muss sich fragen lassen, ob er von Sinnen ist: die Kipppunkte, wo jahrzehntelange Schädigungen noch reparabel wären, sind bereits erreicht, und daher ist der Grenzwert Null.

Verantwortlich für die gefährliche Lage des Planeten sind nicht nur Konsum und Verkehr, sondern in erheblichem Maße die industrialisierte Landwirtschaft. Weder Landwirte noch Politiker scheinen sich jedoch darüber im Klaren zu sein, wie ernst die Lage ist. Indessen hat die Klimakatastrophe längst mit ihrer Enthüllung begonnen:
Die Erde brennt. Sie erwärmt sich schneller als erwartet. Es brennt nicht nur am Amazonas, sondern auch in Kalifornien, in Portugal, Griechenland, in Sibirien, Borneo und Australien. Ebenfalls schmelzen arktisches Eis und Gletscher schneller als angenommen, und in gar nicht so ferner Zeit werden die davon lebenden Regionen austrocknen und unbewohnbar werden. Andere Teile der Welt sind dabei, in den Fluten zu versinken, wie die pazifischen Inseln oder Venedig. Auch das Artensterben vollzieht sich rapide: jedes Jahr verschwinden 58 000 Tierarten. Das merken wir auch bei uns, weil nicht nur die Bestäuber fehlen, sondern in erschreckendem Maße mittlerweile auch Frösche und Vögel. Die Folgen einer rücksichtslosen Übernutzung der Ressourcen, man kann auch sagen, eines Missbrauchs der Schöpfung, zeigen sich immer mehr, und das ist leider nicht apokalyptische Hysterie, sondern wissenschaftlicher Konsens. Sollten wir überhaupt noch eine Chance haben, das 1,5 Grad – Ziel zu erreichen, um die schlimmsten Folgen abzuwenden ( die Prognosen liegen derzeit bei 3,5 Grad) , müssen wir um Himmels Willen jede weitere auch nur potenzielle Gefährdung des Ökosystems meiden, radikal umsteuern, und das sofort. Denn die Erkenntnisse liegen längst auf dem Tisch, doch unser Zeitfenster, um noch wirksam handeln zu können, wird immer kleiner. Die Lage scheint nahezu ausweglos. Für die Landwirtschaft gilt der ökologische Imperativ: ein Acker ist keine Industriefläche unter freiem Himmel, sondern ein lebendiger Organismus. Ein Wald ist keine Holzfabrik, sondern die Lunge des Planeten. Und Tiere sind keine Ramschware, die man schreddert, wenn sie keinen Gewinn bringen, sondern unsere Mitgeschöpfe.

Wie kann man nur auf die Idee kommen, angesichts weltweiter Erkenntnisse, die eine noch nie erlebte Bedrohung biblischen Ausmaßes offenbaren, auf Deubel komm raus eine weitere Eierfabrik zu errichten, das auch noch in einem Landschaftsschutzgebiet, und so etwas politisch gutzuheißen ? Ich möchte Ihnen zurufen: habt ihr denn gar nichts begriffen ?
How dare you ?